Perioden-Talk

Mittlerweile versuche ich meine Periode zu zelebrieren. Ich hab es akzeptiert und nach mittlerweile 15 Jahren auch verstanden: Verhindern kann ich Sie sowieso nicht, also warum nicht mit Ihr einfach das Allerbeste draus machen

Es ist jeeeden Monat das Gleiche und keiner kann ihr entkommen! Ja, richtig gehört, KEINER! Denn die liebe Periode, Tage, Zyklus, Erdbeertage, rote Tante – nenn Sie wie du willst – es ändert nichts an der Tatsache, dass sie uns fest im Griff hat – betrifft nicht nur die, die sie haben, sondern ALLE, die sich in ihrer Nähe aufhalten. Und das Monat um Monat. Es fühlt sich an wie ein Fluch, der uns bei unserer Geburt von einer bösen, rachsüchtigen Fee auferlegt wurde. Ähnlich wie bei Dornröschen und Malefizia. Anders kann ich mir diese Erfindung der Natur nicht erklären. Irgendwann zwischen unserem 9. und 14. Lebensjahr tritt die Wirkung ein und wir können nicht mehr so unbeschwert vor uns hin leben wie zuvor.

Gestern noch zufrieden, einfallsreich, stressresistent und fit, sind wir heute traurig, unzufrieden, aggressiv und müde, begleitet von Symptomen wie allerlei Schmerz, Unwohlsein und sich fühlen wie ein Ballon, den man jeden Moment mit ner Stecknadel zum Platzen bringen könnte. Jede Frau erlebt ihren Zyklus anders und weil viele immer noch so unheimlich selten, offen miteinander darüber sprechen und dieses Thema öffentlich tabuisiert wird, fällt es mir jetzt auch schwer pauschal Aussagen darüber zu treffen. Aber eins ist klar: Meine Erfahrung und die der Frauen in meinem Umfeld deckt sich und das heißt: die Periode nervt. Meistens! Fast Immer! Ok IMMER!

„Steck dir was rein, friss Schokolade und hör auf zu jammern! Geh tapfer zur Arbeit und lass dir ja nichts anmerken!“

Jahrelang habe ich mich von meiner Periode fertig machen lassen. Über Sie so gesprochen, Sie so behandelt, als wäre Sie ein Fremdkörper, den Ich von mir wegstoßen und abhalten müsste. Ich meine es wird uns doch genau das von außen suggeriert. „Steck dir was rein, friss Schokolade und hör auf zu jammern! Geh tapfer zur Arbeit und lass dir ja nichts anmerken!“ Und falls doch jemand etwas merkt, bekommen wir abfällig den Spruch gedrückt: „Ach, die hat doch ihre Periode!“ (Sprich: Nimm diese unzurechnungsfähige, emotionale Frau bloß nicht ernst.)

Ich meine im Grunde stimmt es schon. Wir verändern uns, wenn wir unsere Tage bekommen/haben. Und ja, wir sind nicht mehr 100% Leistungsfähig, haben Schmerzen und fühlen uns Unwohl (weil die Brüste spannen, der Bauch gebläht ist und der Rücken schmerzt). Auch emotional lässt uns die Hormonparty, die unser Körper da veranstaltet Achterbahn fahren. Wie das da abgeht! Wir weinen schnell, sind gereizt, könnten die Welt umarmen und Trübsal blasen zeitgleich :’D Eben wie bei einer feuchtfröhlichen Partynacht. Nur ohne Alkohol. Der absolute Wahnsinn. Aber ganz ehrlich: Lasst uns doch endlich aufhören die Periode wie ein geistigen und körperlichen Handicap zu betrachten! Es gehört zu uns. Jeder, wie er es auf seine Art erlebt.

Ich glaube, wenn wir weniger Anti damit umgehen und eine entspanntere Haltung zu unsere Periode einnehmen, würden wir Sie sogar besser überstehen. Vielleicht sogar weniger negativ empfinden. Dabei spreche ich natürlich nicht von Frauen, die ganz ganz extreme Leiden erleben, wie starken Schmerz und Blutung und Migräne! Nein, aber ich finde, dass mit etwas mehr Akzeptanz und Offenheit dieses notwenige Übel zu Nutzen umgewandelt werden könnte.

WIE? Hör zu.

Du hast ne Abgabe oder dir deinen Terminkalender vollgeknallt mit all den Dingen, die du schon ewig abarbeiten möchtest? Vielleicht ist sogar etwas dabei wie ein Anruf oder eine Nachricht, die etwas Mut erfordert und du es deshalb aufschiebst? Kurzum du hast dir etwas vorgenommen, was für dich eine Priorität darstellt und du es JETZT anpacken willst. Schwups! Periode im Anmarsch! F***! Ist es nicht immer so? Dann fangen wir an uns zu stressen, malen uns Szenarien, wie schlimm es diesmal wird und ruck-zuck befinden wir uns in dieser Abwärtsspirale der Negativität und schlechten Laune called PMS! Jaaa……

Mein Tipp: Lass es sein. Es ist so, ändern geht nicht. Setze ein Pensum von gerade Mal 50%, wenn nicht sogar 20% an. Du merkst, wie deine Energie nachlässt, deine Laune sinkt. Dann stress dein sich in-der-Periode-befindenden Körper nicht zusätzlich. Ärger dich nicht. Im Gegenteil. Zelebriere Sie. Mehr Bock auf essen? Iss Gutes! Die restlichen 3 Wochen des Monats versuchst du in allen Bereichen 100% zu geben. Das ist die Woche in der du cheatest, Fett, Zucker und Energie tankst. Versuch dir maximale Ruhepausen zu gönnen. Treat yourself. Dein Körper zwingt dich sowieso dazu.. dann genieß doch diesen „Ausfall“ vom „Normalzustand“. Abends ne Schnulze, en Glas Roten und brich den Tränendamm. Lass alles raus. Ich meine in dem Zustand bräuchten wir ja nicht mal unbedingt eine Rom-com, da reicht schon, wenn …, wenn. Ist sowieso viel gesünder als es in sich drin zu halten. Wir sind emotional – it’s ok.

Ich hatte eine meiner schlimmsten Periodenphasen vor meiner Bachelorprüfung. Ich habe diese 72 Stunden vor der Prüfung so gebraucht um zu lernen und Schmerz, Unkonzentriertheit und Müdigkeit (denn auch, wenn man ne Ibu zur Bekämpfung von Schmerzen nimmt, macht diese im Umkehrschluss müde, also same in green) ließen mich Verzweifeln. Anstatt trotzdem dieselbe Leistung von mir zu fordern, wie an den restlichen Tagen meines Monats, und mich damit noch mehr zu stressen, ließ ich Bibliothek und Schreibtisch hinter mir, legte mich mit allen Unterlagen ins Bett und machte soviel ich konnte. Ich konnte es doch nicht ändern.

Heute platzt mein Terminkalender aus allen Nähten. Ich versuche immer 100% meiner Energie zu nutzen, aber wenn ich wie heute mit PMS geplagt bin. Nehme ich den Sonntag wie er fällt, mache nur das ALLER Nötigste und wenn der Rest warten muss, geht die Welt auch nicht unter.

Ich habe meine Tage. Die Welt dreht sich für ein paar Tage langsamer für mich. In meiner Gefühlsblase bau ich mir ein schützendes Nest, blocke nervenaufreibendes und überreizendes ab und lass mich einfach in Ruhe. Es bringt nichts, außer noch einen energiefressenden, deprimierenden Gefühlsausbruch, den Niemand braucht.

Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie viel Zeit ich durch meine Periode für wichtige Dinge verloren habe. Wie viel Chancen oder Momente mir entgingen, weil ich mich nicht „fühlte“. Na und! Verziehen! So war das halt. Es gehört zu meinem Frau-sein und jetzt weiß ich eben besser mit meiner Periode umzugehen. Ich denke alles lässt sich, wie gesagt, aufschieben auf Post-Menstruation, wenn man sich wieder besser fühlt. Und damit das noch besser klappt und wir dadurch weniger Chancen verpassen, sollten wie darüber SPRECHEN! Lasst uns unsere Periode KOMMUNIZIEREN!

Das habe ich bis heute noch nicht so gut hinbekommen, aber es ist ein weiters Ziel. Es ist wichtig die Menstruation zu enttabuisieren. Sie in den Alltag einzubauen und nicht etwa versuchen sie weg-zu-ignorieren und uns dann gegenseitig blöd anzumachen, weil wir versuchen wie immer zu sein, was Natürlich nicht klappt! Ich denke, dass sich die Emotionalität und Feinfühligkeit während der Tage sogar nutzen lässt. Wenn wir sie ein wenig ausleben, lässt sie uns kreativer werden, neue Gedanken knüpfen oder wir sehen gewisse Dinge vielleicht von einer anderen Perspektive. Das klingt ein wenig schizophren, aber mal ehrlich, so fühlen wir uns schon mal dann und wann während der Periode, wenn wir ausrasten, wegen ner Kleinigkeit und im nächsten Moment weinen, weil es uns leid tut. 🙂

Bisou eure Marierenan

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